Montag den 15. May 1826

Ich sprach mit Goethe über St. Schütze, über den er sich sehr wohlwollend äußerte.

„In den Tagen meines krankhaften Zustandes von voriger Woche, sagte er, habe ich seine heiteren Stunden gelesen. Ich habe an dem Buche große Freude gehabt. Hätte Schütze in England gelebt, er würde Epoche gemacht haben; denn ihm fehlte bey seiner Gabe der Beobachtung und Darstellung weiter nichts als der Anblick eines bedeutenden Lebens.“

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Am Ostertage den 26. März 1826

Goethe war heute bey Tisch in der heitersten, herzlichsten Stimmung. Ein ihm sehr wertes Blatt war ihm heute zugekommen, nämlich Lord Byrons Handschrift der Dedikation seines Sardanapal. Er zeigte sie uns zum Nachtisch, indem er zugleich seine Tochter quälte, ihm Byrons Brief aus Genua wieder zu geben. „Du siehst, liebes Kind, sagte er, ich habe jetzt alles beysammen, was auf mein Verhältnis zu Byron Bezug hat, selbst dieses merkwürdige Blatt gelangt heute wunderbarerweise zu mir und es fehlt mir nun weiter nichts als jener Brief.“ Weiterlesen >>>

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Donnerstag den 16. Februar 1826

Ich ging diesen Abend um sieben Uhr zu Goethe, den ich in seinem Zimmer alleine fand. Ich setzte mich zu ihm an den Tisch, indem ich ihm die Nachricht brachte, daß ich gestern, bey seiner Durchreise nach Petersburg, den Herzog von Wellington im Gasthofe gesehen. Weiterlesen >>>

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Sonntag Abend den 29. Januar 1826

Der erste deutsche Improvisator, Doctor Wolff aus Hamburg, ist seit mehreren Tagen hier und hat auch bereits öffentlich Proben seines seltenen Talentes abgelegt. Freitag Abend gab er ein glänzendes Improvisatorium vor sehr zahlreichen Zuhörern und in Gegenwart des Weimarischen Hofes. Noch an selbigem Abend erhielt er eine Einladung zu Goethe auf nächsten Mittag. Weiterlesen >>>

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Sonntag, den 25. December 1825

Ich ging diesen Abend um 6 Uhr zu Goethe, den ich alleine fand und mit dem ich einige schöne Stunden verlebte.

„Mein Gemüth, sagte er, war diese Zeit her durch Vieles belästiget; es war mir von allen Seiten her so viel Gutes geschehen, daß ich vor lauter Danksagungen nicht zum eigentlichen Leben kommen konnte. Die Privilegien wegen des Verlags meiner Werke gingen nach und nach von den Höfen ein, und weil die Verhältnisse bey jedem anders waren, so verlangte auch jeder Fall eine eigene Erwiederung. Nun kamen die Anträge unzähliger Buchhändler, die auch bedacht, behandelt und beantwortet seyn wollten. Dann, mein Jubiläum brachte mir so tausendfältiges Gute, daß ich mit den Danksagungsbriefen noch jetzt nicht fertig bin. Man will doch nicht hohl und allgemein seyn, sondern jedem doch gerne etwas Schickliches und Gehöriges sagen. Jetzt aber werde ich nach und nach frey, und ich fühle mich wieder zu Unterhaltungen aufgelegt.“ Weiterlesen >>>

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Mittwoch, den 15. October 1825

Ich fand Goethe diesen Abend in besonders hoher Stimmung und hatte die Freude, aus seinem Munde abermals manches Bedeutende zu hören. Wir sprachen über den Zustand der neuesten Literatur, wo denn Goethe sich folgendermaßen äußerte.

„Mangel an Charakter der einzelnen forschenden und schreibenden Individuen, sagte er, ist die Quelle alles Übels unserer neuesten Literatur.“ Weiterlesen >>>

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Sonnabend den 11. Juny 1825

Goethe sprach heute bei Tisch sehr viel von dem Buche des Major Parry über Lord Byron. Er lobte es durchaus und bemerkte, daß Lord Byron in dieser Darstellung weit vollkommener und weit klarer über sich und seine Vorsätze erscheine als in allem, was bisher über ihn geschrieben worden. Weiterlesen >>>

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Donnerstag den 12. May 1825

Goethe sprach mit hoher Begeisterung über Menander. „Nächst dem Sophocles, sagte er, kenne ich keinen, der mir so lieb wäre. Er ist durchaus rein, edel, groß und heiter, seine Anmuth ist unerreichbar. Daß wir so wenig von ihm besitzen, ist allerdings zu bedauern, allein auch das Wenige ist unschätzbar und für begabte Menschen viel daraus zu lernen.“ Weiterlesen >>>

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Mittwoch den 20. April 1825

Goethe zeigte mir diesen Abend einen Brief eines jungen Studierenden, der ihn um den Plan zum zweyten Theile des Faust bittet, indem er den Vorsatz habe, dieses Werk seinerseits zu vollenden. – Trocken, gutmütig und aufrichtig geht er mit seinen Wünschen und Absichten frey heraus und äußert zuletzt ganz unverhohlen, daß es zwar mit allen übrigen neuesten literarischen Bestrebungen nichts sey, daß aber in ihm eine neue Literatur frisch erblühen solle. Weiterlesen >>>

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Donnerstag den 24. Februar 1825

„Wäre es meine Sache noch, dem Theater vorzustehen, sagte Goethe diesen Abend, ich würde Byrons Dogen von Venedig auf die Bühne bringen. Freylich ist das Stück zu lang und es müßte gekürzt werden; aber man müßte nichts daran schneiden und streichen, sondern es so machen: Man müßte den Inhalt jeder Szene in sich aufnehmen und ihn bloß kürzer wiedergeben. Dadurch würde das Stück zusammengehen, ohne daß man ihm durch Änderungen schadete, und es würde an kräftiger Wirkung durchaus gewinnen, ohne im wesentlichen von seinem Schönen etwas einzubüßen.“ Weiterlesen >>>

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Dienstag den 18. Januar 1825

Ich ging heute um fünf Uhr zu Goethe, den ich in einigen Tagen nicht gesehen hatte, und verlebte mit ihm einen schönen Abend. Ich fand ihn, in seiner Arbeitsstube in der Dämmerung sitzend in Gesprächen mit seinem Sohn und dem Hofrat Rehbein, seinem Arzt. Ich setzte mich zu ihnen an den Tisch. Wir sprachen noch eine Weile in der Dämmerung, dann ward Licht gebracht, und ich hatte die Freude, Goethe vollkommen frisch und heiter vor mir zu sehen. Weiterlesen >>>

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Montag den 10. Januar 1825

Bei seinem großen Interesse für die englische Nation hatte Goethe mich ersucht, die hier anwesenden jungen Engländer ihm nach und nach vorzustellen. Heute um fünf Uhr erwartete er mich mit dem englischen Ingenieur-Offizier, Herrn H., von welchem ich ihm vorläufig viel Gutes hatte sagen können. Wir gingen also zur bestimmten Stunde hin und wurden durch den Bedienten in ein angenehm erwärmtes Zimmer geführt, wo Goethe in der Regel Nachmittags und Abends zu seyn pflegt. Drey Lichter brannten auf dem Tisch; aber Goethe war nicht darin, wir hörten ihn in dem anstoßenden Saale sprechen. Weiterlesen >>>

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Donnerstag den 9. December 1824

Ich ging gegen Abend zu Goethe. Er reichte mir freundlich die Hand entgegen und begrüßte mich mit dem Lobe meines Gedichtes zu Schellhorn’s Jubiläum. Ich brachte ihm dagegen die Nachricht, daß ich geschrieben und das englische Anerbieten abgelehnt habe. Weiterlesen >>>

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Freytag den 3. December 1824

Es war mir in diesen Tagen ein Antrag zugekommen, für ein englisches Journal unter sehr vortheilhaften Bedingungen monatliche Berichte über die neuesten Erzeugnisse deutscher Literatur einzusenden. Ich war sehr geneigt, das Anerbieten anzunehmen, doch dachte ich, es wäre vielleicht gut, die Angelegenheit zuvor mit Goethe zu bereden. Weiterlesen >>>

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Mittwoch den 24. November 1824

Ich besuchte Goethe Abends vor dem Theater und fand ihn sehr wohl und heiter. Er erkundigte sich nach den hier anwesenden jungen Engländern, und ich sagte ihm, daß ich die Absicht habe, mit Herrn Doolan eine deutsche Übersetzung des Plutarch zu lesen. Dieß führte das Gespräch auf die römische und griechische Geschichte, und Goethe äußerte sich darüber folgendermaßen: Weiterlesen >>>

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Dienstag den 9. November 1824

Abends bei Goethe. Wir sprachen über Klopstock und Herder, und ich hörte ihm gerne zu, wie er die großen Verdienste dieser Männer gegen mich auseinandersetzte. Weiterlesen >>>

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Montag den 16. August 1824

Der Verkehr mit Goethe war in diesen Tagen sehr reichhaltig, ich jedoch mit anderen Dingen zu beschäftigt, als daß es mir möglich gewesen, etwas Bedeutendes aus der Fülle seiner Gespräche niederzuschreiben.

Nur folgende Einzelheiten finden sich in meinem Tagebuche notirt, wovon ich die Verbindung und die Anlässe vergessen, aus denen sie hervorgegangen. Weiterlesen >>>

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Dienstag den 10. August 1824

Seit etwa acht Tagen bin ich von meiner Rheinreise zurück. Goethe äußerte bey meiner Ankunft eine lebhafte Freude, und ich meinerseits war nicht weniger glücklich, wieder bey ihm zu sein. Er hatte sehr viel zu reden und mitzutheilen, so daß ich die ersten Tage wenig von seiner Seite kam. Seine frühere Absicht, nach Marienbad zu gehen, hat er aufgegeben, er will diesen Sommer gar keine Reise machen. „Nun da Sie wieder hier sind, sagte er gestern, kann es noch einen recht hübschen August für mich geben.“ Weiterlesen >>>

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Donnerstag den 6. May 1824

Als ich im vorigen Sommer nach Weimar kam, war es, wie gesagt, nicht meine Absicht, hier zu bleiben, ich wollte vielmehr bloß Goethe’s persönliche Bekanntschaft machen und dann an den Rhein gehen, wo ich an einem passenden Ort längere Zeit zu verweilen gedachte. Weiterlesen >>>

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Sonntag den 2. May 1824

Goethe machte mir Vorwürfe, daß ich eine hiesige angesehene Familie nicht besucht. „Sie hätten, sagte er, im Laufe des Winters dort manchen genußreichen Abend verleben, auch die Bekanntschaft manches bedeutenden Fremden dort machen können; das ist Ihnen nun, Gott weiß durch welche Grille, alles verloren gegangen.“ Weiterlesen >>>

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