Sonntag, den 5. April 1829

Goethe erzählte mir, daß er vor Tisch nach Belvedere gefahren sey, um Coudray’s neue Treppe im Schloß in Augenschein zu nehmen, die er vortrefflich gefunden. Auch sagte er mir, daß ein großer versteinerter Klotz angekommen, den er mir zeigen wolle. Weiterlesen >>>

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Freytag, den 3. April 1829

Mit Oberbaudirektor Coudray bey Goethe zu Tisch. – Coudray erzählte von einer Treppe im Großherzoglichen Schloß zu Belvedere, die man seit Jahren höchst unbequem gefunden, an deren Verbesserung der alte Herrscher immer gezweifelt habe, und die nun unter der Regierung des jungen Fürsten vollkommen gelinge. Weiterlesen >>>

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Donnerstag, den 2. April 1829

„Ich will Ihnen ein politisches Geheimnis entdecken, sagte Goethe heute bey Tisch, das sich über kurz oder lang offenbaren wird. Capodistrias kann sich an der Spitze der griechischen Angelegenheiten auf die Länge nicht halten, denn ihm fehlet eine Qualität, die zu einer solchen Stelle unentbehrlich ist: er ist kein Soldat. Wir haben aber kein Beyspiel, daß ein Cabinetsmann einen revolutionairen Staat hätte organisieren und Militär und Feldherren sich hätte unterwerfen können. Mit dem Säbel in der Faust, an der Spitze einer Armee, mag man befehlen und Gesetze geben, und man kann sicher seyn, daß man gehorcht werde; aber ohne dieses ist es ein mißliches Ding. Napoleon, ohne Soldat zu seyn, hätte nie zur höchsten Gewalt emporsteigen können, und so wird sich auch Capodistrias als Erster auf die Dauer nicht behaupten, vielmehr wird er sehr bald eine secundäre Rolle spielen. Ich sage Ihnen dieses voraus, und Sie werden es kommen sehen; es liegt in der Natur der Dinge und ist nicht anders möglich.“ Weiterlesen >>>

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Dienstag, den 24. März 1829

„Je höher ein Mensch, sagte Goethe, desto mehr steht er unter dem Einfluß der Dämonen, und er muß nur immer aufpassen, daß sein leitender Wille nicht auf Abwege gerate.“

„So waltete bey meiner Bekanntschaft mit Schillern durchaus etwas Dämonisches ob; wir konnten früher, wir konnten später zusammengeführt werden, aber daß wir es grade in der Epoche wurden, wo ich die italienische Reise hinter mir hatte, und Schiller der philosophischen Speculationen müde zu werden anfing, war von Bedeutung und für Beyde von größtem Erfolg.“

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Montag, den 23. März 1829

„Ich habe unter meinen Papieren ein Blatt gefunden, sagte Goethe heute, wo ich die Baukunst eine erstarrte Musik nenne. Und wirklich, es hat etwas; die Stimmung, die von der Baukunst ausgeht, kommt dem Effekt der Musik nahe.“

„Prächtige Gebäude und Zimmer sind für Fürsten und Reiche. Wenn man darin lebt, fühlt man sich beruhigt, man ist zufrieden und will nichts weiter.“ Weiterlesen >>>

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Freitag, den 20. Februar 1829

Mit Goethe zu Tisch. Er ist froh über die Beendigung der Wanderjahre, die er morgen absenden will. In der Farbenlehre tritt er etwas herüber zu meiner Meinung hinsichtlich der blauen Schatten im Schnee. Er spricht von seiner Italienischen Reise, die er gleich wieder vorgenommen.

„Es geht uns wie den Weibern, sagte er; wenn sie gebären, verreden sie es wieder beym Manne zu schlafen, und ehe man sich’s versieht, sind sie wieder schwanger.“

Über den vierten Band seines Lebens, in welcher Art er ihn behandeln will, und daß dabey meine Notizen vom Jahre 1824, über das bereits Ausgeführte und Schematisierte, ihm gute Dienste thuen.

Er lieset mir das Tagebuch von Göttling vor, der mit großer Liebenswürdigkeit von früheren jenaischen Fechtmeistern handelt. Goethe spricht viel Gutes von Göttling.

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Donnerstag, den 19. Februar 1829

Mit Goethe in seiner Arbeitsstube allein zu Tisch. – Er war sehr heiter und erzählte mir, daß ihm am Tage manches Gute widerfahren, und daß er auch ein Geschäft mit Artaria und dem Hof glücklich beendigt sehe. Weiterlesen >>>

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Mittwoch, den 18. Februar 1829

Wir sprachen über die Farbenlehre, unter andern über Trinkgläser, deren trübe Figuren gegen das Licht gelb und gegen das Dunkele blau erscheinen, und die also die Betrachtung eines Urphänomens gewähren.
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Dienstag, den 17. Februar 1829

Viel über den Großkophta‹ gesprochen. „Lavater, sagte Goethe, glaubte an Cagliostro und dessen Wunder. Als man ihn als einen Betrüger entlarvt hatte, behauptete Lavater: dieß sey ein anderer Cagliostro, der Wunderthäter Cagliostro sey eine heilige Person.“ Weiterlesen >>>

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Sonntag, den 15. Februar 1829

Goethe empfing mich mit großem Lobe wegen meiner Redaction der naturhistorischen Aphorismen für die Wanderjahre. „Werfen Sie sich auf die Natur, sagte er, Sie sind dafür geboren, und schreiben Sie zunächst ein Compendium der Farbenlehre.“ Wir sprachen viel über diesen Gegenstand.

Eine Kiste vom Niederrhein langte an, mit ausgegrabenen antiken Gefäßen, Mineralien, kleinen Dombildern und Gedichten des Carnevals, welches alles nach Tisch ausgepackt wurde.

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