Dienstag, den 10. Februar 1829

Ich fand Goethe umringt von Charten und Plänen in bezug auf den Bremer Hafenbau, für welches großartige Unternehmen er ein besonderes Interesse zeigte.

Sodann viel über Merck gesprochen, von welchem er mir eine poetische Epistel an Wieland vom Jahre 1776 vorlieset, in höchst geistreichen aber etwas derben Knittelversen. Der sehr heitere Inhalt geht besonders gegen Jacobi, den Wieland in einer zu günstigen Recension im Merkur, überschätzt zu haben scheint, welches Merck ihm nicht verzeihen kann. Weiterlesen >>>

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Montag, den 9. Februar 1829

Goethe sprach viel über die Wahlverwandtschaften, besonders daß jemand sich in der Person des Mittler getroffen gefunden, den er früher im Leben nie gekannt und gesehen. „Der Character, sagte er, muß also wohl einige Wahrheit haben, und in der Welt mehr als Ein mal existiren. Es ist in den Wahlverwandtschaften überhaupt keine Zeile, die ich nicht selber erlebt hätte, und es steckt darin mehr, als irgend jemand bey einmaligem Lesen aufzunehmen im Stande wäre.“

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Mittwoch, den 4. Februar 1829

„Ich habe im Schubarth zu lesen fortgefahren, sagte Goethe; er ist freylich ein bedeutender Mensch, und er sagt sogar manches sehr Vorzügliche, wenn man es sich in seine eigene Sprache übersetzt. Die Hauptrichtung seines Buches geht darauf hinaus, daß es einen Standpunct außerhalb der Philosophie gebe, nämlich den des gesunden Menschenverstandes; und daß Kunst und Wissenschaft, unabhängig von der Philosophie, mittels freyer Wirkung natürlicher menschlicher Kräfte, immer am besten gediehen sey. Dies ist durchaus Wasser auf unsere Mühle. Von der Philosophie habe ich mich selbst immer frey erhalten; der Standpunkt des gesunden Menschenverstandes war auch der meinige, und Schubarth bestätiget also, was ich mein ganzes Leben selber gesagt und gethan habe. Weiterlesen >>>

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Dienstag, den 16. December 1828

Ich war heute mit Goethe in seiner Arbeitsstube allein zu Tisch; wir sprachen über verschiedene literarische Dinge.

„Die Deutschen, sagte er, können die Philisterey nicht loswerden. – Da quängeln und streiten sie jetzt über verschiedene Distichen, die sich bey Schiller gedruckt finden und auch bey mir, und sie meinen, es wäre von Wichtigkeit, entschieden herauszubringen, welche denn wirklich Schillern gehören und welche mir. Als ob etwas darauf ankäme, als ob etwas damit gewonnen würde, und als ob es nicht genug wäre, daß die Sachen da sind!“ Weiterlesen >>>

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Dienstag, den 18. November 1828

Goethe sprach von einem neuen Stück des Edinburgh Review. „Es ist eine Freude, zu sehen, sagte er, zu welcher Höhe und Tüchtigkeit die englischen Critiker sich jetzt erheben. Von der früheren Pedanterie ist keine Spur mehr, und große Eigenschaften sind an deren Stelle getreten. In dem letzten Stück, in einem Aufsatz über deutsche Literatur, finden Sie folgende Äußerung: „Es gibt Leute unter den Poeten, deren Neigung es ist, immer in solchen Dingen zu verkehren, die ein Anderer sich gern aus dem Sinne schlägt.“ Nun, was sagen Sie? Da wissen wir mit einem Male, woran wir sind, und wissen, wohin wir eine große Zahl unserer neuesten Literatoren zu classifizieren haben.“

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Mittwoch, den 22. October 1828

Heute war bey Tisch von den Frauen die Rede, und Goethe äußerte sich darüber sehr schön. „Die Frauen, sagte er, sind silberne Schalen, in die wir goldene Äpfel legen. Meine Idee von den Frauen ist nicht von den Erscheinungen der Wirklichkeit abstrahirt, sondern sie ist mir angeboren, oder in mir entstanden, Gott weiß wie. Meine dargestellten Frauen-Charaktere sind daher auch alle gut weggekommen, sie sind alle besser, als sie in der Wirklichkeit anzutreffen sind.“

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Montag, den 20. October 1828

Oberbergrat Noeggerath aus Bonn, von dem Verein der Naturforscher aus Berlin zurückkehrend, war heute an Goethe’s Tisch ein sehr willkommener Gast. Über Mineralogie ward viel verhandelt; der werthe Fremde gab besonders gründliche Auskunft über die mineralogischen Vorkommen und Verhältnisse in der Nähe von Bonn. Weiterlesen >>>

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Sonnabend, den 11. Oktober 1828

Das gedachte Foreign Review des Herrn Fraser enthielt unter vielen bedeutenden und interessanten Gegenständen auch einen höchst würdigen Aufsatz über Goethe von Carlyle, den ich diesen Morgen studirte. Ich ging Mittags ein wenig früher zu Tisch, um vor der Ankunft der übrigen Gäste mich mit Goethe darüber zu bereden. Weiterlesen >>>

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Freytag, den 10. October 1828

Von Herrn William Fraser in London, Herausgeber des Foreign Review, gelangten diesen Morgen zwey Exemplare des dritten Stücks jener periodischen Schrift zu mir, wovon ich das eine Exemplar diesen Mittag Goethen überreichte.

Ich fand wieder eine heitere Tischgesellschaft geladen, zu Ehren Tiecks und der Gräfin, die auf das Bitten Goethe’s und der übrigen Freunde noch einen Tag zugegeben hatten, während der übrige Theil dieser Familie schon am Morgen nach Dresden vorausgereiset war.

Ein besonderer Gegenstand der Unterhaltung bey Tisch war die englische Literatur und namentlich Walter Scott, bei welcher Gelegenheit Tieck unter andern sagte, daß er vor zehn Jahren das erste Exemplar des Waverley nach Deutschland gebracht habe.

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Donnerstag, den 9. October 1828

Zu Ehren Tiecks war diesen Abend in den Zimmern der Frau v. Goethe ein sehr unterhaltender Thee. Ich machte die Bekanntschaft des Grafen und der Gräfin Medem; letztere sagte mir, daß sie am Tage Goethe gesehen und wie sie von diesem Eindruck noch im Innersten beglückt sey. Der Graf interessierte sich besonders für den Faust und dessen Fortsetzung, über welche Dinge er sich mit mir eine Weile lebhaft unterhielt. Weiterlesen >>>

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