Sonntag, den 15. Februar 1829

Goethe empfing mich mit großem Lobe wegen meiner Redaction der naturhistorischen Aphorismen für die Wanderjahre. „Werfen Sie sich auf die Natur, sagte er, Sie sind dafür geboren, und schreiben Sie zunächst ein Compendium der Farbenlehre.“ Wir sprachen viel über diesen Gegenstand.

Eine Kiste vom Niederrhein langte an, mit ausgegrabenen antiken Gefäßen, Mineralien, kleinen Dombildern und Gedichten des Carnevals, welches alles nach Tisch ausgepackt wurde.

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Freytag, den 13. Februar 1829

Mit Goethe allein zu Tisch. „Ich werde nach Beendigung der Wanderjahre, sagte er, mich wieder zur Botanik wenden, um mit Soret die Übersetzung weiter zu bringen. Nur fürchte ich, daß es mich wieder ins Weite führt, und daß es zuletzt abermals ein Alp wird. Große Geheimnisse liegen noch verborgen, manches weiß ich, von vielem habe ich eine Ahndung. Etwas will ich Ihnen vertrauen und mich wunderlich ausdrücken.“ Weiterlesen >>>

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Donnerstag, den 12. Februar 1829

Goethe lieset mir das frisch entstandene, überaus herrliche Gedicht: Kein Wesen kann zu nichts zerfallen etc.. „Ich habe, sagte er, dieses Gedicht als Widerspruch der Verse: Denn alles muß zu nichts zerfallen, wenn es im Sein beharren will etc., geschrieben, welche dumm sind, und welche meine Berliner Freunde, bey Gelegenheit der naturforschenden Versammlung, zu meinem Ärger in goldenen Buchstaben ausgestellt haben.“ Weiterlesen >>>

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Mittwoch, den 11. Februar 1829

Mit Oberbaudirektor Coudray bey Goethe zu Tisch. Coudray erzählt viel von der weiblichen Industrie-Schule und dem Waisen-Institut, als den besten Einrichtungen dieser Art des Landes; erstere von der Großfürstin, letzteres vom Großherzog Carl August gegründet. Mancherley über Theater-Decoration und Wegebau. Coudray legt Goethen den Riß zu einer fürstlichen Capelle vor. Über den Ort, wo der herrschaftliche Stuhl anzubringen; wogegen Goethe Einwendungen macht, die Coudray annimmt. Nach Tisch Soret. Goethe zeigt uns abermals die Bilder von Herrn von Reutern.

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Dienstag, den 10. Februar 1829

Ich fand Goethe umringt von Charten und Plänen in bezug auf den Bremer Hafenbau, für welches großartige Unternehmen er ein besonderes Interesse zeigte.

Sodann viel über Merck gesprochen, von welchem er mir eine poetische Epistel an Wieland vom Jahre 1776 vorlieset, in höchst geistreichen aber etwas derben Knittelversen. Der sehr heitere Inhalt geht besonders gegen Jacobi, den Wieland in einer zu günstigen Recension im Merkur, überschätzt zu haben scheint, welches Merck ihm nicht verzeihen kann. Weiterlesen >>>

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Montag, den 9. Februar 1829

Goethe sprach viel über die Wahlverwandtschaften, besonders daß jemand sich in der Person des Mittler getroffen gefunden, den er früher im Leben nie gekannt und gesehen. „Der Character, sagte er, muß also wohl einige Wahrheit haben, und in der Welt mehr als Ein mal existiren. Es ist in den Wahlverwandtschaften überhaupt keine Zeile, die ich nicht selber erlebt hätte, und es steckt darin mehr, als irgend jemand bey einmaligem Lesen aufzunehmen im Stande wäre.“

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Mittwoch, den 4. Februar 1829

„Ich habe im Schubarth zu lesen fortgefahren, sagte Goethe; er ist freylich ein bedeutender Mensch, und er sagt sogar manches sehr Vorzügliche, wenn man es sich in seine eigene Sprache übersetzt. Die Hauptrichtung seines Buches geht darauf hinaus, daß es einen Standpunct außerhalb der Philosophie gebe, nämlich den des gesunden Menschenverstandes; und daß Kunst und Wissenschaft, unabhängig von der Philosophie, mittels freyer Wirkung natürlicher menschlicher Kräfte, immer am besten gediehen sey. Dies ist durchaus Wasser auf unsere Mühle. Von der Philosophie habe ich mich selbst immer frey erhalten; der Standpunkt des gesunden Menschenverstandes war auch der meinige, und Schubarth bestätiget also, was ich mein ganzes Leben selber gesagt und gethan habe. Weiterlesen >>>

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Dienstag, den 16. December 1828

Ich war heute mit Goethe in seiner Arbeitsstube allein zu Tisch; wir sprachen über verschiedene literarische Dinge.

„Die Deutschen, sagte er, können die Philisterey nicht loswerden. – Da quängeln und streiten sie jetzt über verschiedene Distichen, die sich bey Schiller gedruckt finden und auch bey mir, und sie meinen, es wäre von Wichtigkeit, entschieden herauszubringen, welche denn wirklich Schillern gehören und welche mir. Als ob etwas darauf ankäme, als ob etwas damit gewonnen würde, und als ob es nicht genug wäre, daß die Sachen da sind!“ Weiterlesen >>>

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Dienstag, den 18. November 1828

Goethe sprach von einem neuen Stück des Edinburgh Review. „Es ist eine Freude, zu sehen, sagte er, zu welcher Höhe und Tüchtigkeit die englischen Critiker sich jetzt erheben. Von der früheren Pedanterie ist keine Spur mehr, und große Eigenschaften sind an deren Stelle getreten. In dem letzten Stück, in einem Aufsatz über deutsche Literatur, finden Sie folgende Äußerung: „Es gibt Leute unter den Poeten, deren Neigung es ist, immer in solchen Dingen zu verkehren, die ein Anderer sich gern aus dem Sinne schlägt.“ Nun, was sagen Sie? Da wissen wir mit einem Male, woran wir sind, und wissen, wohin wir eine große Zahl unserer neuesten Literatoren zu classifizieren haben.“

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Mittwoch, den 22. October 1828

Heute war bey Tisch von den Frauen die Rede, und Goethe äußerte sich darüber sehr schön. „Die Frauen, sagte er, sind silberne Schalen, in die wir goldene Äpfel legen. Meine Idee von den Frauen ist nicht von den Erscheinungen der Wirklichkeit abstrahirt, sondern sie ist mir angeboren, oder in mir entstanden, Gott weiß wie. Meine dargestellten Frauen-Charaktere sind daher auch alle gut weggekommen, sie sind alle besser, als sie in der Wirklichkeit anzutreffen sind.“

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