Sonnabend den 21. July 1827

Als ich diesen Abend zu Goethe ins Zimmer trat, fand ich ihn im Lesen von Manzoni’s Roman. „Ich bin schon im dritten Bande, sagte er, indem er das Buch an die Seite legte, und komme dabey zu vielen neuen Gedanken. Sie wissen, Aristoteles sagt vom Trauerspiele, es müsse Furcht erregen, wenn es gut seyn solle. Es gilt dieses jedoch nicht bloß von der Tragödie, sondern auch von mancher anderen Dichtung. Weiterlesen >>>

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Mittwoch, den 18. July 1827

„Ich habe Ihnen zu verkündigen, war heute Goethe’s erstes Wort bei Tisch, daß Manzoni’s Roman alles überflügelt, was wir in dieser Art kennen. Ich brauche Ihnen nichts weiter zu sagen, als daß das Innere, alles was aus der Seele des Dichters kommt, durchaus vollkommen ist, und daß das Äußere, alle Zeichnung von Localitäten und dergleichen gegen die großen inneren Eigenschaften um kein Haar zurücksteht. Das will etwas heißen.“ Weiterlesen >>>

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Sonntag den 15. July 1827

Ich ging diesen Abend nach acht Uhr zu Goethe, den ich so eben aus seinem Garten zurückgekehrt fand. „Sehen Sie nur, was da liegt! sagte er; ein Roman in drey Bänden und zwar von wem? von Manzoni!“ Ich betrachtete die Bücher, die sehr schön eingebunden waren und eine Inschrift an Goethe enthielten. Manzoni ist fleißig, sagte ich. „Ja, das regt sich“, sagte Goethe. Ich kenne nichts von Manzoni, sagte ich, als seine Ode auf Napoleon, die ich dieser Tage in Ihrer Übersetzung abermals gelesen und im hohen Grade bewundert habe. Jede Strophe ist ein Bild! – „Sie haben Recht, sagte Goethe, die Ode ist vortrefflich. Aber finden Sie, daß in Deutschland einer davon redet? Es ist so gut, als ob sie gar nicht da wäre, und doch ist sie das beste Gedicht, was über diesen Gegenstand gemacht worden.“ Weiterlesen >>>

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Montag Abend den 9. July 1827

Ich fand Goethe allein, in Betrachtung der Gyps-Pasten nach dem Stoschischen Cabinett. „Man ist in Berlin so freundlich gewesen, sagte er, mir diese ganze Sammlung zur Ansicht herzusenden; ich kenne die schönen Sachen schon dem größten Theile nach, hier aber sehe ich sie in der belehrenden Folge, wie Winckelmann sie geordnet hat; auch benutze ich seine Beschreibung und sehe seine Meinung nach in Fällen, wo ich selber zweifle.“ Weiterlesen >>>

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Donnerstag den 5. July 1827

Heute gegen Abend begegnete Goethe mir am Park von einer Spazierfahrt zurückkommend. Im Vorbeyfahren winkte er mir mit der Hand, daß ich ihn besuchen möchte. Ich wendete daher sogleich um nach seinem Hause, wo ich den Oberbaudirektor Coudray fand. Goethe stieg aus und wir gingen mit ihm die Treppen hinauf. Wir setzten uns in dem sogenannten Juno-Zimmer um einen runden Tisch. Wir hatten nicht lange geredet, als auch der Canzler hereintrat und sich zu uns gesellte. Das Gespräch wendete sich um politische Gegenstände, Wellingtons Gesandtschaft nach Petersburg und deren wahrscheinliche Folgen, Capodistrias, die verzögerte Befreyung Griechenlands, die Beschränkung der Türken auf Constantinopel, und dergleichen. Auch frühere Zeiten unter Napoleon kamen zur Sprache, besonders aber über den Herzog von Enghien und sein unvorsichtiges revolutionaires Betragen ward viel geredet. Weiterlesen >>>

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Mittwoch den 20. Juny 1827

Der Familien-Tisch zu fünf Couverts stand gedeckt, die Zimmer waren leer und kühl, welches bey der großen Hitze sehr wohl that. Ich trat in das geräumige an den Speisesaal angrenzende Zimmer, worin der gewirkte Fußteppich liegt und die colossale Büste der Juno steht. Ich war nicht lange allein auf- und abgegangen, als Goethe, aus seinem Arbeitszimmer kommend, hereintrat und mich in seiner herzlichen Art liebevoll begrüßte und anredete. Er setzte sich auf einen Stuhl am Fenster. „Nehmen Sie sich auch ein Stühlchen, sagte er, und setzen Sie sich zu mir, wir wollen ein wenig reden bis die Übrigen kommen. Es ist mir lieb, daß Sie doch auch den Grafen Sternberg bey mir haben kennen gelernt; er ist wieder abgereiset und ich bin nun ganz wieder in der gewohnten Thätigkeit und Ruhe.“ Weiterlesen >>>

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Mittwoch den 11. April 1827

Ich ging diesen Mittag um ein Uhr zu Goethe, der mich vor Tisch zu einer Spazierfahrt hatte einladen lassen. Wir fuhren die Straße nach Erfurt. Das Wetter war schön, die Kornfelder zu beyden Seiten des Weges erquickten das Auge mit dem lebhaftesten Grün; Goethe schien in seinen Empfindungen heiter und jung wie der beginnende Lenz, in seinen Worten aber alt an Weisheit. Weiterlesen >>>

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Freytag den 16. Februar 1827

Ich erzählte Goethen, daß ich in diesen Tagen Winckelmanns Schrift über die Nachahmung griechischer Kunstwerke gelesen, wobey ich gestand, daß es mir oft vorgekommen, als sey Winckelmann damals noch nicht völlig klar über seine Gegenstände gewesen.

„Sie haben allerdings Recht, sagte Goethe, man trifft ihn mitunter in einem gewissen Tasten; allein, was das Große ist, sein Tasten weiset immer auf etwas hin; er ist dem Columbus ähnlich, als er die neue Welt zwar noch nicht entdeckt hatte, aber sie doch schon ahndungsvoll im Sinne trug. Man lernt nichts, wenn man ihn lieset, aber man wird etwas.“

Meyer ist nun weiter geschritten und hat die Kenntnis der Kunst auf ihren Gipfel gebracht. Seine Kunstgeschichte ist ein ewiges Werk; allein er wäre das nicht geworden, wenn er sich nicht in der Jugend an Winckelmann hinaufgebildet hätte und auf dessen Wege fortgegangen wäre. Da sieht man abermals, was ein großer Vorgänger thut und was es heißt, wenn man sich diesen gehörig zu Nutze macht.“

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Mittwoch den 7. Februar 1827

Goethe schalt heute auf gewisse Critiker, die nicht mit Lessing zufrieden, und an ihn ungehörige Forderungen machen.

„Wenn man, sagte er, die Stücke von Lessing mit denen der Alten vergleicht und sie schlecht und miserabel findet, was soll man da sagen! – Bedauert doch den außerordentlichen Menschen, daß er in einer so erbärmlichen Zeit leben mußte, die ihm keine besseren Stoffe gab als in seinen Stücken verarbeitet sind! – Bedauert ihn doch, daß er in seiner Minna von Barnhelm an den Händeln der Sachsen und Preußen Theil nehmen mußte, weil er nichts besseres fand! – Auch daß er immerfort polemisch wirkte und wirken mußte, lag in der Schlechtigkeit seiner Zeit. In der Emilie Galott‹ hatte er seine Piquen auf die Fürsten, im Nathan auf die Pfaffen.“

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Donnerstag Abend den 1. Februar 1827

Goethe erzählte mir von einem Besuch des Kronprinzen von Preußen in Begleitung des Großherzogs. „Auch die Prinzen Carl und Wilhelm von Preußen, sagte er, waren diesen Morgen bey mir. Der Kronprinz blieb mit dem Großherzog gegen drey Stunden, und es kam mancherley zur Sprache, welches mir von dem Geist, Geschmack, den Kenntnissen und der Denkweise dieses jungen Fürsten eine hohe Meinung gab.“ Weiterlesen >>>

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Mittwoch den 31. Januar 1827

Bey Goethe zu Tisch. „In diesen Tagen, seit ich Sie nicht gesehen, sagte er, habe ich vieles und mancherley gelesen, besonders auch einen chinesischen Roman, der mich noch beschäftiget und der mir im hohen Grade merkwürdig erscheint.“ Chinesischen Roman? sagte ich. Der muß wohl sehr fremdartig aussehen. „Nicht so sehr, als man glauben sollte, sagte Goethe. Die Menschen denken, handeln und empfinden fast eben so wie wir und man fühlt sich sehr bald als ihres Gleichen, nur daß bey ihnen alles klarer, reinlicher und sittlicher zugeht. Es ist bey ihnen alles verständig, bürgerlich, ohne große Leidenschaft und poetischen Schwung und hat dadurch viele Ähnlichkeit mit meinem Hermann und Dorothea, so wie mit den englischen Romanen des Richardson. Es unterscheidet sich aber wieder dadurch daß bey ihnen die äußere Natur neben den menschlichen Figuren immer mitlebt. Die Goldfische in den Teichen hört man immer plätschern, die Vögel auf den Zweigen singen immerfort, der Tag ist immer heiter und sonnig, die Nacht immer klar; vom Mond ist viel die Rede, allein er verändert die Landschaft nicht, sein Schein ist so helle gedacht wie der Tag selber. Und das Innere der Häuser so nett und zierlich wie ihre Bilder. Z. B. „Ich hörte die lieblichen Mädchen lachen, und als ich sie zu Gesichte bekam, saßen sie auf feinen Rohrstühlen.“ Da haben Sie gleich die allerliebste Situation, denn Rohrstühle kann man sich gar nicht ohne die größte Leichtigkeit und Zierlichkeit denken. Und nun eine Unzahl von Legenden, die immer in der Erzählung nebenher gehen und gleichsam sprichwörtlich angewendet werden. Z. B. von einem Mädchen, das so leicht und zierlich von Füßen war, daß sie auf einer Blume balancieren konnte, ohne die Blume zu knicken. Und von einem jungen Manne, der sich so sittlich und brav hielt, daß er in seinem dreißigsten Jahre die Ehre hatte, mit dem Kaiser zu reden. Und ferner von Liebespaaren, die in einem langen Umgange sich so enthaltsam bewiesen, daß, als sie einst genöthigt waren, eine Nacht in einem Zimmer mit einander zuzubringen, sie in Gesprächen die Stunden durchwachten ohne sich zu berühren. Und so unzählige von Legenden, die alle auf das Sittliche und Schickliche gehen. Aber eben durch diese strenge Mäßigung in allem hat sich denn auch das chinesische Reich seit Jahrtausenden erhalten und wird dadurch ferner bestehen.“ Weiterlesen >>>

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Donnerstag Abend den 29. Januar 1827

Begleitet von dem Manuscript der Novelle und einer Ausgabe des Béranger ging ich gegen sieben Uhr zu Goethe. Ich fand Herrn Soret bey ihm in Gesprächen über die neue französische Literatur. Ich hörte mit Interesse zu und es kam zur Sprache, daß die neuesten Talente hinsichtlich guter Verse sehr viel von Delille gelernt. Da Herrn Soret, als einem geborenen Genfer, das Deutsche nicht ganz geläufig war, Goethe aber im Französischen sich ziemlich bequem ausdrückt, so ging die Unterhaltung französisch und nur an solchen Stellen deutsch, wo ich mich in das Gespräch mischte. Ich zog den Béranger aus der Tasche und überreichte ihn Goethe, der diese trefflichen Lieder von neuem zu lesen wünschte. Das den Gedichten vorstehende Portrait fand Herr Soret nicht ähnlich. Goethe freute sich die zierliche Ausgabe in Händen zu halten. „Diese Lieder, sagte er, sind vollkommen und als das Beste in ihrer Art anzusehen, besonders wenn man sich das Gejodel des Refrains hinzudenkt, denn sonst sind sie als Lieder fast zu ernst, zu geistreich, zu epigrammatisch. Ich werde durch Béranger immer an den Horaz und Hafis erinnert, die beyde auch über ihrer Zeit standen und die Sittenverderbnis spottend und spielend zur Sprache brachten. Béranger hat zu seiner Umgebung dieselbige Stellung. Weil er aber aus niederem Stande heraufgekommen, so ist ihm das Liederliche und Gemeine nicht allzu verhaßt, und er behandelt es noch mit einer gewissen Neigung.“ Weiterlesen >>>

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Sonntag Abend den 21. Januar 1827

Ich ging diesen Abend halb achte zu Goethe und blieb ein Stündchen bey ihm. Er zeigte mir einen Band neuer französischer Gedichte der Demoiselle Gay, und sprach darüber mit großem Lobe. „Die Franzosen, sagte er, machen sich heraus und es ist der Mühe werth, daß man sich nach ihnen umsieht. Ich bin mit Fleiß darüber her, mir von dem Stande der neuesten französischen Literatur einen Begriff zu machen und wenn es glückt mich auch darüber auszusprechen. Es ist mir höchst interessant, zu sehen, daß diejenigen Elemente bey ihnen erst anfangen zu wirken, die bey uns längst durchgegangen sind. Das mittlere Talent ist freylich immer in der Zeit befangen und muß sich aus denjenigen Elementen nähren, die in ihr liegen. Es ist bey ihnen bis auf die neueste Frömmigkeit alles dasselbige wie bey uns, nur daß es bey ihnen ein wenig galanter und geistreicher zum Vorschein kommt.“ Weiterlesen >>>

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Donnerstag Abend den 18. Januar 1827

Auf diesen Abend hatte Goethe mir den Schluß der Novelle versprochen. Ich ging halb sieben Uhr zu ihm und fand ihn in seiner traulichen Arbeitsstube allein. Ich setzte mich zu ihm an den Tisch und nachdem wir die nächsten Tagesereignisse besprochen hatten, stand Goethe auf und gab mir die erwünschten letzten Bogen. „Da lesen Sie den Schluß“, sagte er. Ich begann. Goethe ging derweile im Zimmer auf und ab und stand abwechselnd am Ofen. Ich las wie gewöhnlich leise für mich. Weiterlesen >>>

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Mittwoch den 17. Januar 1827

In der letzten Zeit, wo Goethe sich mitunter nicht ganz wohl befand, hatten wir in seiner nach dem Garten gehenden Arbeitsstube gesessen. Heute war wieder in dem sogenannten Urbino-Zimmer gedeckt, welches ich als ein gutes Zeichen nahm. Als ich hereintrat, fand ich Goethe und seinen Sohn; beyde bewillkommten mich freundlich in ihrer naiven liebevollen Art; Goethe selbst schien in der heitersten Stimmung, wie dieses an seinem höchst belebten Gesicht zu bemerken war. Durch die offene Thür des angrenzenden sogenannten Decken-Zimmers sah ich, über einen großen Kupferstich gebogen, den Herrn Canzler von Müller; er trat bald zu uns herein, und ich freute mich, ihn als angenehme Tischgesellschaft zu begrüßen. Frau von Goethe wurde noch erwartet, doch setzten wir uns vorläufig zu Tisch. Es ward mit Bewunderung von dem Kupferstich gesprochen und Goethe erzählte mir, es sey ein Werk des berühmten Gérard in Paris, womit dieser ihm in den letzten Tagen ein Geschenk gemacht. „Gehen Sie geschwind hin, fügte er hinzu, und nehmen Sie noch ein paar Augenvoll, ehe die Suppe kommt.“ Weiterlesen >>>

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Montag Abend den 15. Januar 1827

Nach Vollendung der Helena hatte Goethe sich im vergangenen Sommer zur Fortsetzung der Wanderjahre gewendet. Von dem Vorrücken dieser Arbeit erzählte er mir oft. „Um den vorhandenen Stoff besser zu benutzen, sagte er mir eines Tags, habe ich den ersten Theil ganz aufgelöset und werde nun so durch Vermischung des Alten und Neuen, zwey Theile bilden. Ich lasse nun das Gedruckte ganz abschreiben; die Stellen, wo ich Neues auszuführen habe, sind angemerkt, und wenn der Schreibende an ein solches Zeichen kommt, so dictire ich weiter und bin auf diese Weise genöthigt, die Arbeit nicht in Stocken geraten zu lassen.“ Weiterlesen >>>

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Sonntag Abend den 12. Januar 1827

Ich fand eine musikalische Abendunterhaltung bey Goethe, die ihm von der Familie Eberwein, nebst einigen Mitgliedern des Orchesters gewährt wurde. Unter den wenigen Zuhörern waren: der General-Superintendent Röhr, Hofrat Vogel und einige Damen. Goethe hatte gewünscht, das Quartett eines berühmten jungen Componisten zu hören, welches man zunächst ausführte. Der zwölfjährige Carl Eberwein spielte den Flügel zu Goethe’s großer Zufriedenheit, und in der That trefflich, so daß denn das Quartett in jeder Hinsicht gut executiert vorüberging. Weiterlesen >>>

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Donnerstag Abend den 4. Januar 1827

Goethe lobte sehr die Gedichte von Victor Hugo. „Er ist ein entschiedenes Talent, sagte er, auf den die deutsche Literatur Einfluß gehabt. Seine poetische Jugend ist ihm leider durch die Pedanterie der classischen Partey verkümmert; doch jetzt hat er den Globe auf seiner Seite und so hat er gewonnen Spiel. Ich möchte ihn mit Manzoni vergleichen. Er hat viel Objectives und erscheint mir vollkommen so bedeutend als die Herren De Lamartine und Delavigne. Wenn ich ihn recht betrachte, so sehe ich wohl, wo er und andere frische Talente seines Gleichen herkommen. Von Chateaubriand kommen sie her, der freylich ein sehr bedeutendes rhetorisch-poetisches Talent ist. Damit Sie nun aber sehen, in welcher Art Victor Hugo schreibt, so lesen Sie nur dieß Gedicht über Napoleon: Les deux isles.“ Weiterlesen >>>

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Mittwoch den 3. Januar 1827

Heute bey Tisch sprachen wir über Cannings treffliche Rede für Portugal.

„Es giebt Leute, sagte Goethe, die diese Rede grob nennen; aber diese Leute wissen nicht, was sie wollen, es liegt in ihnen eine Sucht, alles Große zu frondiren. Es ist keine Opposition, sondern eine bloße Frondation. Sie müssen etwas Großes haben, das sie hassen können. Als Napoleon noch in der Welt war, haßten sie den, und sie hatten an ihm eine gute Ableitung. Sodann als es mit diesem aus war, frondierten sie die heilige Allianz, und doch ist nie etwas Größeres und für die Menschheit Wohltätigeres erfunden worden. Jetzt kommt die Reihe an Canning. Seine Rede für Portugal ist das Produkt eines großen Bewußtseyns. Er fühlt sehr gut den Umfang seiner Gewalt und die Größe seiner Stellung und er hat Recht, daß er spricht, wie er sich empfindet. Aber das können diese Sanscülotten nicht begreifen und was uns andern groß erscheint, erscheint ihnen grob. Das Große ist ihnen unbequem, sie haben keine Ader es zu verehren, sie können es nicht dulden.“

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Mittwoch den 27. December 1826

Dem Phänomen des blauen und gelben Schattens hatte ich nun zu Hause fleißig nachgedacht, und wiewohl es mir lange ein Rätsel blieb, so ging mir doch bei fortgesetztem Beobachten ein Licht auf und ich ward nach und nach überzeugt, das Phänomen begriffen zu haben. Weiterlesen >>>

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